Franziskaner & Künstler wird 80


AN Seite 13D Nummer 223 Mittwoch 25.September 2019

Pater Laurentius wird 80 Jahre alt : Seine Kunst ist nicht nur ein Primeltopf

„Franziskus tanzt mit dem Wolff“, heißt diese Figur von Laurentius Englisch vor dem Kloster in Vossenack. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Vossenack Auch kurz vor seinem 80. Geburtstag hat der Künstler Pater Laurentius nicht nur viel über sein Leben, die Flüchtlingsdebatte und die Umwelt und Natur zu sagen. Sein runder Geburtstag ist für ihr ein Anlass zum Innehalten.

Von Sandra Kinkel

Redakteurin

Ein Gespräch mit Pater Laurentius Englisch über sein Leben und natürlich seine Kunst ist immer auch ein Gespräch über Religion, über Politik, über Umwelt und Natur und aktuelle gesellschaftspoltische Themen. Und auch wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag, den der Künstler, Priester und Gymnasiallehrer am 10.Oktober feiert, hat Pater Laurentius nichts von seiner Eindringlichkeit, seiner Überzeugungskraft und auch seiner großen Lebensfreude verloren.

Pater Laurentius ist 1939 als Ulrich Englisch in Beuthen im heutigen Polen zur Welt gekommen. „Der Zweite Weltkrieg hatte gerade begonnen“, erzählt er. „Und Terror, Kommunismus und Fremdherrschaft haben mein Leben von Kind an geprägt. Und sicherlich auch meinen späteren Werdegang bestimmt.“ Mit sechs Jahren hat Englisch seine ersten Postkarten gemalt, damals schon mit religiösen Themen. „Mein Vater war in Russland im Krieg und später in Gefangenschaft. Die Kirche war für meine Mutter und auch für meine beiden Geschwister und mich immer der Ort der Heimat.“

Schon mit elf Jahren habe er bei Ordensschwestern, die eine Wallfahrtskirche betreuten, Mittelstücke für Liturgiewänder bemalt. „Damals habe ich zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, dass Kunst und Religion sehr eng zusammenhängen. Und damals ist in mir der Wunsch entstanden, Künstler und Priester zu werden.“

Im Augenblick arbeitet Pater Laurentius an einem Kreuzweg für eine Kirche in Rheinberg. Foto: ZVA/Sandra Kinkel

Englischs Vater gehörte zu den deutschen Soldaten, die erst Dank der Intervention Konrad Adenauers im Moskauer Kreml lange nach Ende des Zweiten Weltkrieges frei gekommen sind. „Mein Vater ist nach Iserlohn zu seiner Schwester und später nach Düsseldorf gegangen, wo er wieder in seinem Beruf als Standesbeamter gearbeitet hat. Dort hat er viele Jahre gewartet, bis meine Mutter und wir Kinder aus Polen ausreisen durften.“ Englisch hat in Düsseldorf die Realschule beendet, das Abitur nachgeholt – und zum ersten Mal mit Erfolg die Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie in Düsseldorf absolviert.

Um dann aber doch zunächst einen anderen Weg einzuschlagen. „Das Lebenskonzept des Heiligen Franziskus, von dem ich heute noch überzeugt bin, dass es absolut zukunftsweisend ist, hat mich schon damals total überzeugt. Deswegen bin ich in die Kölnische Ordensprovinz des Franziskanerordens eingetreten.“ Ulrich Englisch hat den Ordensnamen Laurentius gewählt und Theologie studiert. „Erst danach habe ich nochmal die Aufnahmeprüfung an der Kunstakademie in Düsseldorf gemacht.“ Pater Laurentius ist wieder angenommen worden. Der berühmte Joseph Beys gehörte zu seinen Professoren.

 Sein komplettes Berufsleben als Künstler und Lehrer für Kunst und Religion, aber auch sein Ordens- und Priesterdasein hat Englisch im Franziskanerkloster in Vossenack verbracht. Er hat seine Kunst im Leopold-Hoesch-Museum in Düren gezeigt und Auftragsarbeiten, beispielsweise für Kreuzwegstationen, für Christen in Taiwan, Kamerun und Paraguay angefertigt. Auch die große Bronzestatue, die vor dem Kloster in Vossenack steht und den Heiligen Franz von Assisi zeigt, wie er mit einem Wolf tanzt, hat Englisch entworfen. „Ich wusste damals gar nichts von dem berühmten Film ‚Der mit dem Wolf tanzt’. Der Wolf ist ein Wesen, vor dem die Menschen Angst haben. Franziskus spricht, er tanzt sogar mit ihm. Und die Angst verschwindet. Das ist genau der richtige Weg, zum Beispiel auch im Umgang mit den vielen Flüchtlingen und Fremden, die zu uns kommen.“

Pater Laurentius Englisch ist ohne Zweifel ein religiöser Künstler, aber er ist auch ein politischer Maler und Bildhauer. Schon 2016 hat er sich in vielen seiner Gemälde mit der „Festung Europa“ auseinandergesetzt, hat überfüllte Flüchtlingsboote gezeichnet, die nirgendwo anlegen dürfen. „Meine Kunst ist nicht nur ein Primeltopf. Kunst will beim Betrachter etwas bewirken und auch in der Gesellschaft wirksam sein.“ Gleichzeitig, ergänzt Englich, erfüllten seine Arbeiten durchaus auch eine soziale und politische Funktion. „Es geht um Identifikation. Und darum, Denkanstöße zu geben.“

So wie bei seinem Kreuzweg, der in der Krypta des Klosters hängt, und sich mit verschiedenen Diktaturen auseinandersetzt, und in dem Englisch Fotos des Konzentrationslagers in Auschwitz verarbeitet hat. Oder bei seinem Gemälde „Vor dem Gesetz sind alle gleich“, das Bundeskanzlerin Angela Merkel als Justitia zeigt, die in ihren beiden Waagschalen einen Christen und einen Moslem hält. „Franz von Assisi hat mit allen Menschen geredet, auch mit Menschen,die einen anderen Glauben hatten als er. Das war damals der richtige Weg. Und das ist es heute immer noch.“

Auch mit seiner Kirche, von der Englisch selbst sagt, dass sie sich im „Niedergang befindet“, setzt er sich in seiner Kunst kritisch auseinander. „Kunst und Religion sind aus meiner Sicht die beiden Dinge, die das Leben verändern und den Menschen Selbstbewusstsein geben können. Leider hat die Religion in vielen Dingen versagt.“ Wo war die katholische Kirche im Dritten Reich, heißt eine der Fragen, die Pater Laurentius sich stellt. Wie positionieren die deutschen Bischöfe sich heute, 70 Jahre nach Kriegsende zu den Gräueltaten der Nazis, eine andere. „Aber auch Themen wir der schreckliche sexuelle Missbrauch, überhaupt der Machtmissbrauch in der Kirche beschäftigen mich“, sagt Englisch. „Warum dürfen Frauen keine Priester werden? Priestermangel ist aus meiner Sicht ein selbst gemachtes Problem, das sehr viel mit Machtmissbrauch zu tun hat.“

Sein 80. Geburtstag ist für Pater Laurentius Anlass zum Innehalten, zum Zurückschauen auf ein erfülltes, aber auch anstrengendes Leben. „Ich sage Danke für ein reiches erfülltes Leben“, sagt er. „Und das möchte ich mit vielen Freunden und Weggefährten der vergangenen Jahrzehnte tun.“ Bei einem Fest, vielleicht aber auch bei einem Spaziergang in der Natur. „Ich wandere und schwimme gerne, fahre viel mit dem Rad und bin begeisterter Skisportler“, sagt er. „Meine große Verbundenheit zur Natur ist für mich eine regelrechte Befreiuung.“ Und auch diese Verbundenheit ist eine weitere Parallele zum Heiligen Franz von Assisi.

Dauerausstellung im Kloster

An jedem ersten Sonntag im Monat zu besichtigen

Im Franziskaner-Kloster im Hürtgenwalder Ortsteil Vossenack, Franziskusweg 1, zeigt Pater Laurentius Englisch eine große Dauerausstellung mit verschiedenen Arbeiten. Die Schau kann immer im Rahmen des Vossenacker Klostersonntages, also am 1. Sonntag im Monat, besichtigt werden.

Nähere Informationen sowie die Möglichkeit, individuelle Besichtigungstermine zu vereinbaren, gibt es unter 02429/3080 oder per E-Mail an mail@franziskaner-vossenack.de.

www.franziskaner-vossenack.de